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Interview mit Thomas Melzer, neuer Geschäftsführer der MCA

Herr Melzer, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Amt.


Vielen Dank.

Zunächst erst einmal ein paar Worte zu Ihnen. Vielleicht können Sie etwas über Ihre Person sagen ...

Ich bin geborener und bekennender Leipziger. Das hört man und das soll man auch hören. Ich habe  beim Sender Leipzig volontiert, Journalistik studiert und dann 20 Jahre im öffentlich-rechtlichen und privaten Hörfunk gearbeitet. In verschiedenen Funktionen und verschiedenen Sendern. Ich war schon einmal beim MDR, in der Gründungsphase vom damaligen Sachsenradio  zum MDR. Auch bei der Gründung von Radio PSR war ich dabei und dort viereinhalb Jahre verantwortlich für die Redaktion. Über Radio Brocken, wo ich Geschäftsführer war,  kam ich an den Sitz des damaligen Hauptgesellschafters nach Hannover. Da hab ich die letzten elf Jahre gelebt, zuletzt als freier Coach.

Dann kam der Kontakt zur DREFA. Ich hatte meine Kontakte nach Leipzig nie abreißen lassen, kenne sehr viele Leute, die heute bei der DREFA oder beim MDR arbeiten. Dann kam die langfristige Nachfolgeregelung für die MCA ins Gespräch, eine spannende, aber schwierige Aufgabe. Und das ist eine Aufgabe, die mich reizt. Die Zukunft ist hier sehr spannend, gerade wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Und in so einer Familie wie der DREFA zu arbeiten macht, glaub ich, ganz besonders viel Spaß.

Sie waren in Hannover Direktor Digital Business. Was kann man sich darunter vorstellen?

Ja, der Titel Direktor ist etwas ungewöhnlich für den privaten Rundfunk. Deswegen war sogar mein Spitzname Direktor. Aber im Ernst, die Unternehmungsgruppe AVE , die alle Hörfunkbeteiligung des Holtzbrinckkonzerns gebündelt hatte, wollte ein Netzwerk ihrer bundesweiten Radiobeteiligungen unter der Dachmarke Hitradio Antenne aufbauen.. Mein Job bestand darin, beim Aufbau der Dachmarke zu helfen und neue Geschäftsfelder im digitalen Bereich zu entwickeln. Alles was mit Internet zu tun hatte, aber auch mit neuen Methoden der Hörerbindung. Wir waren die Ersten, die eine 0137er-Gasse implementiert hatten. Ich hatte viel mit Telekommunikationsunternehmen zu tun, habe mir viel technisches Know-how angeeignet und das für unser Medienunternehmen nutzbar gemacht.

Nun ist das Wort Digitalisierung schon zweimal gefallen. Was sind die Herausforderungen für die Zukunft für ein Unternehmen wie die MCA, gerade mit Blick auf die Digitalisierung?

Für uns als Bühnenbauer und Ausstatter hat die Digitalisierung gravierende Folgen. Schauen Sie sich die aktuelle Berichterstattung an. In den aktuellen Formaten geht der Trend zu virtuellen Studios. Da braucht man maximal noch einen Tisch, auf den der Moderator ein Manuskript legen kann. Alles andere wird mit einer Green- oder Bluebox erledigt. Da können wir ein Studio green- oder blueboxfähig machen, ein paar Lampen reinhängen und dann sind wir als Ausstatter raus.

Zum Anderen heißt Digitalisierung aber auch, dass Kulissen wieder echt sein müssen. Wenn Sie in HD drehen, reicht es eben nicht, eine Pappmaché-Wand hinzustellen, sondern das Holz muss auch Holz sein. Im HD-Bild sehe ich die Struktur, die Maserung. Und da kommen wir wieder ins Spiel. Wir haben bei der MCA hervorragende Fachleute, die noch mit echtem Holz bauen, mit echtem Leder. Hier liegt unsere Chance. Wenn ich mir das neue Studio von Brisant anschaue, eine super Arbeit! Das sage ich nicht, weil ich neuer Geschäftsführer der MCA bin, sondern weil man das im TV sieht. Im TV sehe ich diese aufwändige Struktur, das aufwändige Design. Digitalisierung heißt für mich eben auch wieder echter Kulissenbau.

Wir werden uns mit unseren Kulissen auf völlig neue Kameratechniken einstellen müssen. Wir werden uns sicherlich beim Licht viele Neuerungen einfallen lassen müssen. Aber ein Problem interessiert mich nicht als Problem, sondern als Chance zur Suche nach neuen Lösungen. Insofern ist die Digitalisierung etwas, wo ich glaube, dass wir als MCA unsere Stärken ausspielen können.

Sie sind gelernter Journalist und führen jetzt ein Unternehmen mit Tischlern, Schlossern usw. Konnten Sie sich schon ein genaues Bild von den neuen Mitarbeitern machen?


Nun, ich bin ja erst ein paar Tage hier. Wir gehen derzeit durch das Haus, weil ich sozusagen jede Werkbank kennenlernen will. Und jeden einzelnen Kollegen und jede einzelne  Kollegin. Ich will wissen,  mit wem ich es zu tun habe und wer wo wie was tut. Auf der anderen Seite muss ich als Geschäftsführer sicher nicht jeden Scheinwerfer mit dem Vornamen kennen. Die MCA ist ein Unternehmen, bei dem über 80 tolle Mitarbeiter einen tollen Job machen. Das Ergebnis sehe ich im Fernseher oder im Kino, angefangen bei der  Kulisse in Vancouver, bis zur Ausstattung von „Das weiße Band“. Jeder kann sehen, dass hier Fachleute auf höchstem Niveau arbeiten.

Ich glaube, es kommt darauf an, dass wir uns in der DREFA-Familie noch besser vernetzen und mit den Kollegen und Kolleginnen des Mitteldeutschen Rundfunks. Wir müssen uns einfach als Familie verstehen. Das ist die Herausforderung für mich. Und das habe ich über die ganzen Jahre gemacht, Netzwerke aufzubauen, Netzwerke zu pflegen, als Dienstleister arbeiten.

Ich möchte mit der MCA nicht nur einen hochqualifizierten und qualitätvollen Job machen, sondern ich möchte, dass wir uns in Zukunft noch mehr als Service- und Dienstleister verstehen. Wir werden nicht der Billigheimer der Nation werden. Wir rufen einen vernünftigen Preis auf und dafür bieten wir eine vernünftige Leistung an. In Zukunft mit noch mehr Service und mit einem noch höheren Dienstleistungsanspruch.

Nach dieser Vision für das Unternehmen habe ich noch eine letzte Frage. In den letzten anderthalb, zwei Jahren sind großartige Kinoproduktionen hier gelaufen, die es bis zur Oscar-Nominierung geschafft haben. Welche Rolle wird künftig das große Kino spielen?

Ich nehm das mal ganz wörtlich. Das große Kino ist das große Kino und wir wollen auch in Zukunft hier großes Kino produzieren!  Aber unser Tagesgeschäft ist das TV. Das ist unser Brot- und Buttergeschäft. Hier müssen wir vernünftige Produktionen und vernünftige Dienstleistungen anbieten für die TV-Produzenten am Standort, in der Familie der DREFA bzw. direkt beim Mitteldeutschen Rundfunk.

Darüber hinaus wird es darauf ankommen, dass wir das große Kino weiter für Mitteldeutschland begeistern können. Wir haben hier unverbrauchte Locations und jede Menge Geschichte und Geschichten. Aber um das große Kino hierher zu bekommen, reicht es nicht, dass wir uns als Dienstleister bemühen. Dafür braucht es sicher das Engagement aller Seiten, von der Medienpolitik, von der Medienförderung, vom MDR … Dabei ist eines sicher: Wir von der MCA können auch großes Kino! Das haben wir bewiesen. 

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Geschäftsführer Thomas Melzer

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